Alte neue Weisung sorgt für Kopfschütteln

Gemäss einer überarbeiteten Weisung von Bundesrätin Doris Leuthard (SDR Art. 8 Abs. 1), ist es ab dem 01. Januar 2013 erlaubt, dass ohne Ausbildungskurs und ohne Ausbildungsbescheinigung Fahrten mit ADR/SDR-Fahrzeugen durchgeführt werden dürfen, wenn es sich um Überführungsfahrten von Pannenfahrzeugen oder Probefahrten im Zusammenhang mit einer Reparatur oder Panne handelt. Ebenfalls ohne Ausbildungskurs und ohne Ausbildungsbescheinigung sind Fahrten mit ADR/SDR Tankfahrzeugen zur vorgeschriebenen Fahrzeug- oder Tankprüfung zulässig.


Im Klartext bedeutet dies, dass es mit dieser Weisung möglich ist, dass Fahrer eines Werkstattbetriebs ohne ADR/SDR-Ausweis ein voll beladenes Tankfahrzeug für eine Probefahrt „durchs Land“ fahren dürften [!]. Der Sinn dieser Regelung löste jüngst nicht nur bei einigen Gefahrgutbeauftragten, sondern auch bei Werkstattleitern ein Kopfschütteln aus. Was im ADR als Todsünde gilt, soll auf einmal komplett straffrei sein?


Das mag verstehen wer will, vor allem wenn man bedenkt, dass es bei einem ADR/SDR-Ausweis ja auch darum geht, dass der Fahrer das Risiko einer Gefahrgut-Ladung verstehen und entsprechend reagieren kann. In obigem Szenario hat der Fahrer keine Ahnung welche Tunnel- und Streckenbeschränkungen gelten. Hat er damit einfach freie Fahrt? Wie sieht es mit der Beachtung der schriftlichen Weisungen nach ADR 5.4.3 aus, die er nicht kennt? Und wie sieht es mit den vorgeschriebenen Beförderungspapieren aus, die er dann ja ebenfalls nicht kennt?


Bei Fahrten mit einem kennzeichnungspflichtigen Fahrzeug, unter den oben genannten Ausnahmen, taucht nun nachfolgende Problematik auf: Der Fahrer benötigt keine Ausbildungsbescheinigung, aber, und jetzt kommt der Knackpunkt, alle übrigen SDR und ADR-Vorschriften gelten nach wie vor und die kennt nur eine korrekt ausgebildete und regelmässig unterwiesene Person.


Um das Szenario oben noch auf die Spitze zu treiben: Was passiert, wenn auf einer Probefahrt ein Unfall geschieht und weder der Fahrer des Unfallfahrzeugs noch der des Abschleppfahrzeugs eine Ahnung von Gefahrgut haben? Wir hoffen wohl alle, dass dieser Fall nie eintritt.


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